Selfhosted-Tools, die (fast) niemand kennt
In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder einen Post über meine Top 10 der Apps in meinem Homelab geschrieben. Dieses Mal möchte ich einen etwas anderen Beitrag verfassen. Schlussendlich sind die Top 10 nämlich immer recht gleich. Vor allen Dingen auch wenn man sich die Beiträge von anderen Menschen mit Homelab anschaut. Entsprechend habe ich mir gedacht, dass ich dir einmal ein paar Tools vorstelle, die nicht jeder in seinem heimischen Netzwerk laufen hat. Gegebenenfalls ist das für dich eine Inspiration.
AutoKuma
Uptime Kuma kennen fast alle. Ich mag es nicht, alles immer per klicken konfigurieren zu müssen. Vor allen Dingen nicht, wenn sich die Arbeiten ziemlich einfach wiederholen. Mit AutoKuma (externer Link) lässt sich Uptime Kuma einfach mit Docker Labels konfigurieren. Somit entfällt das zusätzliche Konfigurieren nach dem starten der App. Gerade wenn man, wie ich, GitOps betreibt wird das Verfügbarkeitsmonitoring direkt mit dem deployment der Anwendung eingerichtet. Natürlich funktionieren hier alle gängigen Uptime Kuma Überwachungen.
labels:
- "kuma.strava.http.name='Strava Statistics'"
- "kuma.strava.http.url=https://strava.casalani.de"
- "kuma.strava.http.parent_name=apps"
- "kuma.strava.http.max_retries=5"Das ist einmal ein kleines Beispiel aus Strava Statistics. Schlussendlich lässt sich das recht einfach immer per copy & paste auf andere Systeme übertragen.
AutoKuma an sich ist natürlich auch nur ein Docker Container und lässt sich damit auf jeden Host einfach mitstarten.
services:
autokuma:
image: ghcr.io/bigboot/autokuma:2.0.0
restart: unless-stopped
environment:
AUTOKUMA__KUMA__URL: https://uptimekuma.example.com
AUTOKUMA__KUMA__USERNAME: kumaadmin
AUTOKUMA__KUMA__PASSWORD: STRENGGEHEIMHESPASSWORD
volumes:
- /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock
- ./autokuma:/data
labels:
- "kuma.apps.group.name=Applications"Mehr ist es nämlich auch schon nicht.
Patchmon
Patchmon (externer Link) habe ich vor einiger Zeit erst entdeckt. Die auch noch sehr junge Software kann dein Patchmanagement deiner Linux und Windows Systeme übernehmen. Zusätzlich lässt sich über einen kleinen Schwachstellenscanner direkt diverse Härtungsmaßnahmen anzeigen. Die Umsetzung liegt aber dann natürlich an dir selbst.
Der Docker Compose Stack ist bei Patchmon ein wenig größer, weil er aus App, Datenbank, Redis und Guacamole besteht. Die vom Hersteller angegebene Compose Datei funktioniert aber sehr gut, ich habe sie, inkl. der dazugehörigen .env-Datei, einfach übernommen und musste sie kaum anpassen.

AdGuardHome-Sync
Einige Zeit lang hatte ich mehrere physische Server im Einsatz und habe auf jedem eine AdGuard Home Instanz gehabt. Mittlerweile läuft zwar nur noch ein Proxmox Host , aber mehrere AdGuard Instanzen laufen trotzdem noch.
Auch hier möchte ich nicht immer manuell alle Anpassungen vornehmen und vor allen Dingen dann nicht zwei Mal. Mir ist irgendwann aufgefallen, dass ich eine neue Filterliste auf einer Instanz eingetragen hatte und erst Tage später beim Debuggen eines ganz anderen Problems gemerkt habe, dass die zweite Instanz davon nie etwas mitbekommen hat. Genau für dieses Vergessen gibt es AdGuardHome-Sync (externer Link) . Passe ich die Sperrlisten oder andere Einstellungen auf einem Host an, werden sie nach kurzer Zeit direkt auf den zweiten Host synchronisiert.
Konfiguriert wird das Ganze über eine einzige YAML-Datei mit Origin- und Replica-Definition:
cron: "*/10 * * * *"
origin:
url: https://adguard-1.example.com
username: admin
password: STRENGGEHEIMESPASSWORD
replicas:
- url: https://adguard-2.example.com
username: admin
password: STRENGGEHEIMESPASSWORD
autoSetup: trueBesonders praktisch ist der autoSetup-Parameter: kommt mal eine komplett frische AdGuard-Home-Instanz dazu, wird die Replica direkt beim ersten Sync automatisch eingerichtet, statt dass ich sie erst manuell durch den Setup-Wizard klicken muss.
OpenCloud
OpenCloud (externer Link) ist meine (theoretisch) schlankere Alternative zu Nextcloud . Letzteres habe ich über viele Monate mit dem All-in-one Container Setup laufen gehabt. Stabil war es auf jeden Fall. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen konnte ich mich nicht darüber beschweren. Allerdings eine extra VM für ein paar Dateien die ich außerhalb des Netzwerkes im Zugriff haben möchte mit dem großen Nextcloud Stack zu verwalten war mir irgendwann zu viel.
Vor einiger Zeit ist OpenCloud immer häufiger in diversen Netzwerken erwähnt worden und ich habe mir gedacht, dass ich dem ganzen einmal eine Chance gebe. An Ressourcen benötigt die neue Umgebung deutlich weniger, dafür ist das Grundsetup aber auch deutlich komplizierter. Gerade wenn man, wie ich, viel über Single-Sign-On verwalten möchte. Das ganze Setup mit Authentik ist schon ein wenig komplexer, weshalb ich darüber gegebenenfalls noch einen extra Beitrag schreiben möchte.
Meerkat
Dem einen oder anderen ist sicherlich schon mal Monica als CRM über den Weg gelaufen. Leider scheint die Software nicht mehr weiter entwickelt zu werden und der Nachfolger Chandler scheint dem gleichen Schicksal ergangen zu sein. Im Gegensatz dazu wirkt Meerkat (externer Link) angenehm schlank und aktiv gepflegt: die App kommt als ein einziger Container statt eines großen Stacks, was die Hürde deutlich senkt, das Ganze auch wirklich am Leben zu halten.
Meerkat ist ein System mit dem du deine Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen und alle anderen als Kontakt verwalten kannst. Heißt hier nicht einfach Adressen oder Telefonnummern, sondern auch Beziehungen, Jahrestage aller Art und vor allen Dingen persönliche Informationen zu den jeweiligen Personen. Ich hab da zum Beispiel hinterlegt, dass mein Schwager keine Erdnüsse verträgt, weil ich mir sowas garantiert nicht bis zum nächsten Grillabend merken würde. Für Menschen wie mich, für die es schwer ist sich viele Informationen zu merken, ein großartiges System. Zumindest wenn man es pflegt…
Über den optionalen CardDAV-Server lassen sich die Kontakte sogar mit dem Smartphone synchronisieren. Damit wird Meerkat nicht nur ein digitaler Notizzettel, sondern kann auch dein eigentliches Adressbuch ersetzen.
SparkyFitness
Apps um sein Kalorienverbrauch, Aktivitäten und ähnliches zu tracken gibts wie Sand am Meer. Leider kosten die meisten mittlerweile eine ganz schöne Menge Geld. Wer ein sehr aktives Ziel verfolgt für den sind diese Apps ggf. genau das richtige. Für mich, der einfach nur ein wenig Überblick möchte ein Kostenpunkt der nicht unbedingt sein muss.
Glücklicherweise bin ich vor einiger Zeit daher auf SparkyFitness (externer Link) gestoßen. Der Entwickler beschreibt seine App als MyFitnessPal-Alternative fürs Selfhosting. Ich würde dem gut zustimmen. Die App kann wirklich eine Menge. Dafür sind aber leider das Onboarding bzw. die ersten Schritte recht schwierig. Man muss sich wirklich in Ruhe hinsetzen und die Lebensmittel, die man konsumiert, eintragen.
AdventureLog
Mit AdventureLog (externer Link) kannst du deine Reisen entweder planen oder einfach nur tracken. Ich benutze es lediglich für letzteres. In AdventureLog habe ich alle Urlaube, die ich mit meiner Partnerin gemacht habe, eingetragen.
Sehr schön ist in AdventureLog die Darstellung der Reisen auf einer Karte. Ich habe diese ausgedruckt und im Wohnzimmer an einer Wand mit diversen Urlaubsfotos aufgehängt, damit Gäste rätseln können, welches Foto von uns zu welchem Punkt auf der Karte gehört.

Fazit
Sieben Tools, die hoffentlich nicht schon in jeder anderen Homelab-Top-10-Liste stehen – vom Monitoring über Patchmanagement bis zum digitalen Adressbuch. Bei manchen bin ich mir inzwischen sicher, dass sie bei mir bleiben (AutoKuma und AdGuardHome-Sync laufen seit Monaten unauffällig im Hintergrund), bei anderen wie OpenCloud oder SparkyFitness bin ich selbst noch am Ausprobieren.
Was fast alle gemeinsam haben: sie lösen ein einziges, konkretes Problem richtig gut, statt eine riesige All-in-One-Lösung sein zu wollen. Genau solche Tools gehen in den üblichen Top-10-Listen am ehesten unter – dabei sind es oft die, die man im Alltag am meisten zu schätzen lernt.
Läuft bei dir selbst etwas im Netzwerk, von dem kaum jemand redet? Schreib’s mir gerne, vielleicht wird daraus ja ein zweiter Teil dieser Liste.